Professor Dr.h.c. Christa Randzio-Plath, Vorsitzende Marie-Schlei-Verein, Mitglied Gender AG VENRO

Genderblindheit kennzeichnet den Fortschrittsbericht des UN-Generalsekretärs in Vorbereitung des HLPF 2017(  High-level political forum on sustainable development).

Das Ziel 5 spricht nicht nur von Geschlechtergerechtigkeit und Gender Empowerment als Ziel an sich, sondern fordert auch das Gender Mainstreaming in allen anderen Zielumsetzungen. Diese Verpflichtung ist den UN keine Zeile wert. Der Zugang zu Wasser, Energie, besserer Infrastruktur, Innovation, nachhaltiger Stadtentwicklung, zu nachhaltigen Konsum- und Produktionsmustern haben trotz der UN2030 Beschlussfassung für die UN keine Genderdimension. Beispiele:

So findet sich in der Ankündigung der Bilanz zur Umsetzung der UN-Agenda 2030 zu  Ziel1  Ende der Armut überall keine einzige Statistik und Bewertung mit der Ausnahme, dass festgestellt wird, das weltweit nur 41% der Frauen  Leistungen während ihrer Schwangerschaft/Mutterschaft erhalten. Kein Wort zu der Feminisierung der Armut, kein Wort zur Lage der Frauen in Katastrophen.Dabei sind Frauen die Mehrheit der Armen und Katastrophenopfer.

Die Umsetzung von Ziel 2- es geht um Ernährungssicherheit und Hungerbekämpfung-  nennt nicht einmal die besondere Rolle der Frau in Bezug auf Probleme und Lösungen. Dabei unterstreicht selbst die Welternährungsorganisation FAO immer wieder die wichtige Rolle der Frau. Und die ärmsten Frauen leben in ländlichen Gebieten und 80% der Nahrungsmittelversorgung in Afrika Südlich der Sahara und in Südasien liegen in den Händen der Frauen.

Frauengesundheit als Teil von Ziel 3(Gesund leben) beschränkt sich auf Schwangerschaft und Mutterschaft. Dabei sterben mehr Frauen an den Folgen häuslicher Gewalt als an Krebs und Herzinfarkten oder Müttergesundheit.

Gute Bildung für alle (Ziel4) scheint für die UN kein Genderthema zu sein. Dabei täuscht die gestiegene Einschulungsquote von Mädchen nicht nur über die Tatsache hinweg, dass es armutsbedingt weiterhin viele weibliche SchulabbrecherInnen  in Afrika und Südasien gibt . Es wird nicht berücksichtigt, dass viele Mädchen wegen mangelnder Hygieneversorgung eine Woche im Monat fehlen und damit ihre Schulbildung gefährden.

Unbegreiflicherweise vernachlässigt die UN die Diskriminierung, Ungleichheit und Marginalisierung der Frauen weltweit dar. Frauen als Opfer von Gewalt in jeglicher Form werden erwähnt, die wirtschaftliche Marginalisierung wird auf die Frage von Frauen in Führungspositionen konzentriert.  Das Thema „Gute Arbeit“ auch für Frauen fehlt völlig. Immerhin wird die Tatsache der weiblichen Sorgearbeit problematisiert genauso wie der fehlende Zugang zu reproduktiven Gesundheitsdienstleistungen. Und: für mehr gleichberechtigte politische Macht von -Frauen schlägt der Bericht immerhin Quoten vor.

Es bleibt zu hoffen, dass die Prüfung der Staatenberichte zu Ziel5 den Finger auf die Wunde der Ungleichheit legt. Es sollte nicht vergessen werden: Niemand darf zurückgelassen werden. Auch und gerade nicht die Frauen dieser Welt.