Generation Gleichheit

08. März 2020 Internationaler Frauentag 2020: Generation Gleichheit

von Professor Dr.h.c. Christa Randzio – Plath, Vorsitzende Marie-Schlei-Verein

 2020 wird für Frauen weltweit ein Jahr der Gleichstellung: Wir wollen nicht noch weitere 25 Jahre auf Geschlechtergerechtigkeit und gleichberechtigte, paritätische, politische und wirtschaftliche Teilhabe warten Deswegen ist Thema des internationalen Frauentags „Generation Gleichberechtigung: Frauenrechte verwirklichen – für eine gleichberechtigte Zukunft.“

Die visionäre Pekinger Aktionsplattform von vor 25 Jahren dient nach wie vor als Leitschnur für die Bereitschaft der Regierungen weltweit die Geschlechtergerechtigkeit durchzusetzen. So wurden von 189 Regierungen 1995 strategische Maßnahmen für die 12 Handlungsfelder: Armut, Bildung und Ausbildung, Gesundheit, Gewalt, bewaffnete Konflikte, Wirtschaft, Macht und Entscheidungsverfahren inklusive Quote, Institutionelle Förderungsmechanismen, Menschenrecht, Medien, Umwelt, Frauen auf dem Land und Mädchen entwickelt. Das Ergebnis: nicht eingelöste Versprechen, weil Armut und Diskriminierung immer noch weiblich sind. Immer noch gibt es Beschäftigungsverbote für 2.7 Mrd. Frauen, sind nur 25% der Abgeordneten Frauen, ist eine von drei Frauen weltweit Opfer von Gewalt (UN-Women).

Generation Gleichberechtigung beginnt jetzt. Eine Vielzahl von Beratungen, Konferenzen und Kampagnen soll die Regierungen dieser Welt unter Druck setzen, endlich gleichen Lohn, gleiche Verteilung unbezahlter Sorge- und Hausarbeit, ein Ende der sexuellen Belästigung und aller Formen von Gewalt gegen Frauen und Mädchen, eine Gesundheitsvorsorge, die auf die Bedürfnisse von Frauen und Mädchen gerichtet ist, die Gleiche politische und wirtschaftliche Beteiligung und Entscheidungsfreiheit in allen Lebensbereichen zu verwirklichen. Mit ihrer Umsetzung beschäftigt sich die UN-Frauenrechtskommission vom 9. bis 22. März 2020 und das hochrangige Treffen der UN-Generalversammlung „Global Gender Equality Forum“ am 23. September 2020. Die großen Konferenzen tagen in Mexiko (7-8.05.2020), in Paris (7.-10.07.2020). In Berlin findet am 14. Mai 2020 ein Festakt statt. Beabsichtigt sind Forderungen nach verbindlichen Engagements der Regierungen und die Verabredung von internationalen Kampagnen, um der Stimme der Frauen weltweit mehr Gewicht zu geben. Dabei soll die solidarische Zusammenarbeit der Frauengenerationen eine Hauptrolle spielen.

Der 1984 gegründete Marie-Schlei-Verein ist den Zielen der Aktionsplattform verpflichtet, trägt zur Überwindung von Armut, Diskriminierung, Gewalt und Ungleichheit bei und baut partnerschaftliche Beziehungen zu Frauengruppen und Frauenverbänden in Afrika, Asien und Lateinamerika auf. Frauen lernen, verbessern ihre produktiven Fähigkeiten und ihr Einkommen, werden selbstbewusst und in ihrem Leben und ihrer Arbeit gestärkt.

Das gilt für 150 arme Frauen in Bamako, im bürgerkriegsgeschüttelten Mali. 150 Frauen suchen einen Neubeginn und sammeln und verarbeiten Plastikmüll. Sie wollen sich genossenschaftlich organisieren und damit die Armutsfalle überwinden. Das wollen auch 50 Pilzbäuerinnen in Kasese, Uganda. Sie bauen unterschiedliche Pilzsorten an und vermarkten sie an Restaurants, Supermärkte und auf dem Markt. Zu Verbesserung der Qualität und damit auch ihres Einkommens wollen sie jetzt mit der Zucht von Pilzsporen beginnen. Sie sind stolz auf ihre Anerkennung durch die Kommunalverwaltung Kasese.

Gender Economic Empowerment führt auch zu Gender Empowerment in allen Arbeits- und Lebensbereichen. Das können vor allen Dingen die genossenschaftlich organisierten Landfrauen in Nicaragua und EL Salvador bezeugen. Mit Gemüse- und Obstplantagen, Bäckereien und Garnelenzucht haben sie eine arbeitsteilige Zukunft organisiert. Optimistisch sind auch die Andenfrauen in Peru, die Quinoa anbauen und verarbeiten, die Kameliden aufziehen und vermarkten. Computerkurse in Westafrika erhöhen die Erwerbschancen für junge arbeitslose Frauen. Kleinstbäuerinnen auf Java finden neue Einkommensmöglichkeiten als Kleinstunternehmerinnen, nachdem ihre Felder für den Bau eines Flughafens enteignet worden sind. Die Gemüsekooperativen in Vietnam sind genauso erfolgreich wie die Frauengruppe zur Herstellung von Hartnudeln.

Die internationale Solidarität und Organisation von Fraueninteressen sind 2020 angesichts frauenfeindlicher und frauenverachtender Regime, Ideologien und Religionen besonders angesagt. Zunehmend autoritäre Herrschaftsstrukturen, rechtsradikale Ideologien und mysogene Einstellungen und Darstellungen schaden der Gleichberechtigung weltweit: immer noch sind nicht einmal 10% der Regierungschef und nur 25% aller Abgeordneten Frauen, in der Wirtschaft bleibt Mann „Chefetage“. Aber im informellen Arbeitssektor und bei Niedriglöhnen sind Frauen „Spitze“ – genauso wie in der Sorgearbeit, vor allem der unbezahlten Sorgearbeit. Die Dauerangriffe gegen die Autonomie und sexuelle Selbstbestimmung der Frau erschüttern. Deswegen gilt für alle Frauengeneration weltweit wie für Frauen in Deutschland: Wir wollen ein Ende der Ungleichheit! Wir wollen nicht nur die Hälfte des Himmels, sondern auch die Hälfte der Erde!